Die Global Industry Classification Standard (GICS) ist eine weltweit anerkannte Taxonomie zur systematischen Einordnung börsennotierter Unternehmen. Sie wurde 1999 von MSCI und S&P Dow Jones Indices entwickelt, um eine konsistente, vergleichbare Struktur für Kapitalmarktanalysen zu schaffen. Heute dient sie institutionellen Investoren, Research-Häusern und indexbasierten Strategien als zentraler Referenzrahmen.
Die GICS-Systematik gliedert Unternehmen entlang ihrer wirtschaftlichen Hauptaktivitäten in vier Ebenen – Sektoren, Industries, Industry Groups und Sub-Industries. Die oberste Ebene, die Sektorencluster, umfasst aktuell 11 Sektoren, die das gesamte Spektrum globaler Wirtschaftsaktivitäten abbilden. Diese Struktur ist so ausgelegt, dass sie sowohl zyklische als auch defensive, technologieorientierte wie auch ressourcenbasierte Geschäftsmodelle präzise erfassen kann.
Anders als rein bilanzorientierte Einordnungssysteme orientiert sich GICS primär an der funktionalen Wertschöpfung eines Unternehmens. Entscheidend ist, wo das „ökonomische Gewicht“ liegt – also der Geschäftsbereich, der den größten Beitrag zu Umsatz oder Gewinn leistet. Diese Logik führt dazu, dass diversifizierte Konzerne immer demjenigen Segment zugeordnet werden, über das sich ihr Kernprofil am besten abbilden lässt.
Eine Besonderheit ist die regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Klassifikationen. Diese erfolgt nicht nach festem Intervall, sondern bedarfsorientiert, z. B. wenn technologische Entwicklungen neue Geschäftsmodelle hervorbringen oder bestehende Segmente nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Ein prominentes Beispiel ist der Umbau des Technologiesektors im Jahr 2018, bei dem große Plattformunternehmen (Meta, Alphabet, Netflix) in den neu geschaffenen Sektor Communication Services überführt wurden.