Das Industry Classification Benchmark (ICB) ist ein international etabliertes System zur Klassifizierung börsennotierter Unternehmen. Es wurde Anfang der 2000er Jahre von FTSE entwickelt und gehört heute zur London Stock Exchange Group (LSEG). In Europa ist ICB der dominierende Standard an zahlreichen Handelsplätzen und bildet die Grundlage für wesentliche Indexfamilien wie den FTSE 100.
ICB dient dazu, die Vielfalt wirtschaftlicher Aktivitäten in eine strukturierte, leicht navigierbare Systematik zu überführen. Die Klassifikation baut auf vier Ebenen auf – Industries, Supersectors, Sectors und Subsectors – und umfasst heute 11 Industries, die die oberste Aggregationsebene darstellen. Zentraler Anspruch der ICB-Logik ist eine marktnahe, operativ orientierte Sichtweise, die sich stärker an funktionalen Tätigkeiten als an rein ökonomischen Profilen orientiert.
ICB verfolgt einen wesentlichen Leitgedanken: Unternehmen sollen in der Branche verortet werden, in der sie operativ tätig sind. Während GICS teilweise stärker investorenlogisch und bilanziell geprägt ist, orientiert sich ICB am tatsächlichen Geschäftsgegenstand.

Die ICB-Systematik ist kein reines Kategorisierungskonzept, sondern beeinflusst realwirtschaftliche und kapitalmarktbezogene Entscheidungen: 

  • Indexbildung (z. B. FTSE All-Share, FTSE Global Equity Index Series) 
  • Benchmarking & Peer-Gruppen (spezifisch auf europäische Marktstrukturen zugeschnitten)
  • Marktsegmentlogiken der Börsen (z. B. Wachstumssegmente, Segmentierung nach Industrien)
  • Regulatorische Berichtsstandards (teilweise Nutzung der ICB-Logik bei nationalen Statistiken) 

Für Research, Medien und institutionelle Anleger dient ICB als „Landkarte“, um die Struktur europäischer Märkte zu verstehen und regionale Besonderheiten zu erfassen.